Hallo Welt!

ASTROCOHORS Titel 2013

Die Titelgrafik enthält eine Zeichnung von: tomasss81 / 123RF Stock Foto

Irgendwo im Weltall, fern der Erde, lag ein Planet. Kein gewöhnlicher Planet, möchte man hinzufügen, ACELS wurde beansprucht und bewohnt von den seltsamsten Wesen, die unsere Galaxis je gesehen hatte. Wesen, die älter waren als alles Leben, das wir kannten. Sie bezeichneten sich als die Chronisten des Universums, doch sie waren weit mehr als unbeteiligte Zuschauer. Sie hatten den Tanz der Sterne schon beobachtet, als die meisten der bewohnten Welten noch nicht einmal abgekühlt waren.

Aus den Wirren des Urknalls entwickelten sich die verschiedenen Milchstraßensysteme, so auch unsere. Und das hier ist ein Bild unserer Heimatgalaxis. Sei nicht allzu stolz darauf, Erdling, dass Dein Heimatsystem Sol den Mittelpunkt des Koordinatensystems bildet. Es ist eine Karte von der NASA, und die geht natürlich von der eigenen Perspektive aus. In den galaktischen Standardkarten bildet der Mittelpunkt der Galaxis den Ausgangspunkt des Koordinatensystems, aber das sei hier nur am Rande erwähnt. Ich möchte Dich nicht überfordern. Wenn Du Dir die Karte ganz genau betrachtest, merkst Du von selbst, dass Deine kleine Welt einen gelben Stern umkreist, der in einem völlig uninteressanten Teil der Milchstraße liegt.

Bild: NASA (gemeinfrei)

Bild: NASA (gemeinfrei)

Vor Äonen traten die „Kristallenen Meister“ auf den Plan. Mit einem Sternenschiff kamen sie an, zu der Zeit, als gerade das Leben begann in der Galaxis. Sie waren die älteste Lebensform des Universums und sie verstanden sich als eine Art „Hüter der Galaxis“. Sie ließen sich auf dem Planeten ACELS im Sternsystem ACELS nieder und beobachteten fortan die Entwicklung unserer Galaxis. Und oh man, da gab es einiges zu beobachten.

Erste Hochkulturen entstanden auf verschiedenen Planeten des Scutum-Centaurus-Arm, die zunächst die interplanetare, dann schließlich die interstellare Raumfahrt entwickelten. Am Beginn der Galaktischen Zeitrechnung begannen diese Kulturen, sich immer weiter auszubreiten. Technologisch unterlegene Völker kamen dabei unter die Räder, eine Entwicklung, die die Meister von ACELS mit immer größerer Sorge betrachteten. Als dann der Gigatron-Antrieb entwickelt wurde und noch weiter entfernte Regionen der Galaxis in greifbare Nähe rückten, wurden die Machthaber immer skrupelloser. Sie eroberten fremde Sonnensysteme und führten Kriege um die neuen Territorien. Ständig musste die Karte in den vergangenen tausend Jahren neu gezeichnet werden.

Die letzte große Zäsur in der galaktischen Karte geschah im Jahr 2979, als der letzte Galaktische Krieg beendet war. Die Sieger und die Besiegten trafen sich auf dem Planeten ACELS, um Verträge auszuhandeln, die die Zukunft aller Völker betreffen sollten. Da man den Meistern von ACELS keinen Betrug zutraute, wurden sie beauftragt, alle Forderungen, Gebietsansprüche und sonstige Kleinigkeiten in eine große Überlegung einzubeziehen und das Angesicht der Galaxis neu zu zeichnen. 16 Tage berieten die Meister ohne Unterlass, bevor sie ihr Ergebnis präsentierten: eine neue Galaktische Karte und das Manifest eines alle freien Völker der Galaxis umfassenden Bündnisses, des „Galaktikums“. Sitz des „Galaktikums“ sollte der Planet NUSCROCANT werden, eine kleine Dreckkugel mit Atmosphäre, die man dem Volk, das einst dort lebte, einfach abgekauft hatte.

Die Wesen von ACELS hatten dabei sehr darauf geachtet, dass Schutzzonen eingerichtet werden. In der Vergangenheit war es mehrfach vorgekommen, dass Planeten kolonialisiert wurden, deren Bevölkerung der überlegenen Technologie der Kolonialherren nichts entgegen zu setzen hatte. Das sollte aufhören. Es war lediglich erlaubt, die Schutzzone zu durchfliegen, nicht aber, sich in die Geschicke der Welten, die dort lagen einzumischen.

Der Plan der Acelsianer wurde mit Begeisterung aufgenommen, doch die Tinte unter den Verträgen war noch nicht getrocknet, als neue Konflikte ausbrachen. Völker, die im Krieg noch Seite an Seite gekämpft hatten, gerieten in Streit über Territorien oder die Befürchtung, keinen Zugang zu gewissen Rohstoffen, namentlich der „Essenz“, zu haben. Das Galaktikum, das eigentlich ein Hort des Friedens und der Kooperation sein sollte, wurde dazu missbraucht, die Konflikte offen auszutragen. So bildeten sich neue Bündnisse und Feindschaften unter den Völkern der Galaxis.

Bild: NASA (gemeinfrei) - Bearbeitung: DPP

Bild: NASA (gemeinfrei) – Bearbeitung: DPP

Die Welten in dem Gebiet, das ursprünglich „Erobgard“ bezeichnet wurde, gründeten die „Union der Planeten“ [dunkelblau] mit dem Ziel, nur noch von freundlichen Nachbarn umgeben zu sein und sich gegenseitig zu helfen, sollte ein Verbündeter angegriffen werden. Die „Vespusianische Sternenallianz“ aus der Region Vespu Naútic [weiß] trat über separate Verträge in ein Bündnis mit den meisten Welten der Planetenunion ein, was sie die „Allianz von Pacnor“ nannten und hofften, nicht nur die Region von Vespu Sanoza [hellgrün] in die Zange nehmen zu können, sondern auch gegen die Udessar [dunkelrot] zu bestehen. Auf der anderen Seite verbündeten sich diese mit den Nol-Ens, einem Volk aus Assumur [hellrot].

Mitten zwischen drin liegen die Wüstenwelten von Tuarber [gelb], die zwar karg und arm an Wasser zu sein scheinen, aber man findet dort die seltensten Rohstoffe, was ihre Herrscher sehr reich hat werden lassen.

Die Region Afar [dunkelgrün] hingegen bestand einst aus Welten, deren Völker nur einfache Techniken entwickelten. Als einzelne Herrscher von Erobgard herausfanden, dass man diese Welten einfach würde ausbeuten können, ließen sie große Flotten von Kolonialschiffen dorthin starten. Die Einwohner der Planeten hatten den überlegenen und gut ausgerüsteten Truppen nichts entgegen zu setzen. Dieser Abschnitt der Geschichte, der unmittelbar in den ersten Galaktischen Krieg mündete, ist kein Ruhmesblatt und führte zum Entschluss, für andere nicht so weit entwickelte Welten die Schutzzonen einzurichten.

Bleibt noch Horas Ventur [hellblau] zu erwähnen, wo es Dschungel- und Wüstenwelten gibt, die so lebensfeindlich scheinen, dass sie lange Zeit als Strafplaneten benutzt wurden, und die so eine eigene Kultur entwickelten. Auch hier wurden die Ureinwohner durch Kolonialisten unterworfen.

Oh, und bei all’ diesen kleinen Unrühmlichkeiten habe ich ein Gebiet ja fast vergessen: das Zentrum der Galaxis! Der Kern wird von niemandem direkt beansprucht und ist eigentlich durch den Vertrag des Galaktikums geschützt. Außerdem ist es sehr schwierig, in den Kern vorzudringen, denn er ist von einer Barriere umgeben, dem „Galaktischen Bogen“. Unter größten Schwierigkeiten versuchen immer wieder Forschungsschiffe in den Kern einzudringen und ihn zu erforschen. Denn wilde Legenden haben sich um diese Region gebildet, von einem unermesslichen Rohstoffreichtum ist die Rede oder dass sich dort irgendwo die mythische „Quelle der Materie“ befindet, dem Ursprung allen Seins und allen Lebens. Aber das ist ein Ammenmärchen, dass Eltern ihren Kindern beim Einschlafen erzählen, wenn sie wollen, dass sie später mal Rohstoffprospektoren werden.

Alle übrigen Gebiete, die keiner offiziellen Region angehören, gelten als Schutzzonen. Es würde diese Karte arg verkomplizieren, würden die unterschiedlichen dieser Zonen auch noch eingezeichnet, Ihr müsst nur eins wissen: Sol und die Erde liegen im Smaragd-Sektor, der von der Welt SMARAGDIA aus verwaltet wird.

Die Erde bot in der Vergangenheit Anlass zu Hoffnung, bald aus dem Schatten der einfachen Zivilisationen treten zu können. In dieser Phase der Entwicklung ist eine Zivilisation besonders verwundbar. Sie ist noch nicht stark genug, um sicher auf dem Pfad der Entwicklung fortzuschreiten. Es bedarf nur einer kleiner Störung und schon fällt sie zurück in barbarische Zeiten. Daher sahen die Wesen von ACELS es mit großer Besorgnis, als im Jahr 3013 eine unheilvolle Entwicklung begann: ein namenloses Imperium, angeführt von einem ominösen Imperator, begann Einfluss zu nehmen. Jener Unbekannte vergiftete den Geist etlicher Herrscher auf Seiten der PACNOR-Allianz. Dieses Gift schien den Geist der jeweiligen Person zu leeren und rief eine große Gier wach. Und die Gier ist eine unheilvolle Macht. Sie flüstert einem ein, dass man die Leere in der Seele mit materiellen Dingen und Macht füllen könnte. Gleichzeitig sorgt sie für eine ständige Angst, dass man diese Sachen wieder verlieren könnte oder dass man nicht genug davon hat. Der Vergiftete betrachtet andere mit Argwohn und unterstellt ihnen, sie würden nur wegnehmen wollen, was ihm gehört.

Auf diese Weise vergiftete der Imperator damals die Seelen des Prostaten Rogan Reónald von der Vespusianischen Sternenallianz und der Königin Thagret Matha der Pryderischen Dominanz, einem Mitglied der Planetenunion. Sie begannen, andere Welten mit Kälte zu überziehen. Ihr Handeln hatte grausame Konsequenzen für ihre beiden Völker und die Allianzen, denen sie angehörten.

Die Königin wurde verhasst beim eigenen Volk, doch ein gnädiger Wahnsinn, die Folge ihrer entleerten Seele, vernebelte schließlich in den letzten Jahren ihres Lebens ihren Geist, so dass sie das nicht mehr mitbekam. Doch es war längst zu spät: Thagret hatte das Gift schon an ihre Kinder weitergegeben.

Nachdem also die Dunkelheit über die Galaxis kroch, wurde der Imperator selber aktiv. Das war ungewöhnlich, denn bisher hatte er die Drecksarbeit anderen überlassen. Sein Ziel war offenbar der Smaragd-Sektor, genauer gesagt, die Erde. So beschlossen die Wesen von Acels, einen Plan auszuführen, den merkwürdigsten Plan, den sie je entwickelt hatten und der von langer Hand vorbereitet worden war, welcher beinhaltete, einigen Menschen vom Planeten Erde den Weg zu den Sternen zu weisen. Und damit nahmen die Dinge ihren Lauf.

Obwohl alle Wesen von ACELS sich dieser ganzen Geschichte bewusst waren, weil sie sie erlebt hatten, gab es jene unter ihnen, die zudem noch besonders geachtet wurden. Es waren diejenigen, die wirkliche zu den ersten Kristallenen Herrschern gehörten. Sie waren so alt, dass man ihre Worte und ihre Entscheidungen nicht immer verstand, aber sie wurden respektiert. Die meisten jener Ersten lebten in Abgeschiedenheit. Äonen hatten sie in der Gesellschaft anderer Wesen verbracht, nun brauchten sie Ruhe, um klare Gedanken fassen zu können. In ihren Einsiedeleien versuchten sie weiterhin, den Lauf der Dinge zu verstehen und Sachen zu erfassen, die über den Verstand eines sterblichen Wesens hinausgingen. Einer dieser Ersten trug den seltsamen Namen Yodel. Er lebte am Rand eines Waldes außerhalb einer Siedlung und er hatte eine eigene Art, andere zu sich zu rufen: Er entfachte ein großes Feuer, das stark rauchte. So wussten die anderen, dass er ihnen etwas mitzuteilen hatte.

An diesem speziellen Tag des Galaktischen Jahres 3019 war es wieder einmal soweit. Rauchschwaden stiegen am Waldrand auf. Und eine Gruppe von Acelsianern machte sich auf, um zu hören, was Yodel zu sagen hatte.

Der Meister war sehr klein, doch er hatte einen großen Verstand. Er wirkte verletzlich, doch das war er nicht. Er erwartete seine Besucher bei der Wurzel eines großen Baumes in der Nähe seines Hauses. Als sie ihn erreichten, hörten sie auf zu sprechen. Niemand sprach mehr, und niemand stellte eine Frage. Sie wussten, wenn der Meister sie gerufen hatte, würde er ihnen von sich aus mitteilen, was er zu sagen hatte. Und das tat er. Er blickte den Mann an, der die Gruppe hergeführt hatte, und dann sprach er mit knorrender Stimme:

„Es gibt ein Erwachen. Spürst Du es? Die dunkle Seite… und die helle.“